Akademie und Universität Altdorf

1566 war es der Reichsstadt Straßburg gelungen, ihr seit 1538 bestehendes Gymnasium in eine Akademie umzuwandeln und damit die erste höhere Bildungseinrichtung zu etablieren, die nicht von einem Fürstenstaat, sondern von einer Reichsstadt getragen wurde. Ein ähnliches Vorhaben wurde von der Reichsstadt Nürnberg bereits seit 1565 ventiliert. Nach längeren Vorüberlegungen und Planungen wurden mit dem Bau eines Kollegiengebäudes ab 1571 und der Einweihung eines akademischen Gymnasiums in Altdorf 1575 die ersten konkreten Schritte dazu unternommen. Sie führten 1578 zur kaiserlichen Akademieprivilegierung. Als „Semiuniversitas“ verfügte die Altorphina fortan über das Promotionsrecht in der Philosophischen Fakultät, musste aber – wie auch Straßburg – auf eine Graduierung in den drei ‚höheren Fakultäten‘ (Theologie, Rechtswissenschaft, Medizin) verzichten.

Den Status als Volluniversität erlangte die nürnbergische Hochschule – ein Jahr nach Straßburg und nach mancherlei politischen Zugeständnissen an den Kaiser – im Jahr 1622. Allerdings musste die protestantische Bildungseinrichtung bis auf weiteres auf das theologische Promotionsrecht verzichten, das ihr erst 1696 zugestanden wurde. Zusammen mit der Reichsstadt wurde die Altorphina 1806 vom kurz zuvor formierten Königreich Bayern übernommen. Dort liquidierten die neuen Herren die traditionsreiche Hochschule 1809 im Zuge einer Neuorganisation der akademischen Bildungseinrichtungen.

Bis ins 18. Jahrhundert hinein fungierte die Altorphina als wichtigstes Bildungszentrum des protestantischen Franken. Sie entfaltete zeitweilig aber auch erhebliche Anziehungskraft für Studenten aus Österreich und Böhmen, ehe die Gegenreformation dort das evangelische Leben unterdrückte. Als gut beleumundete Einrichtung blieb sie als protestantischer Studienort auch weiterhin überregional von Bedeutung, litt allerdings unter dem wirtschaftlichen Niedergang der Reichsstadt und den mangelnden Geldmitteln, die von der patrizischen Obrigkeit zur Verfügung gestellt wurden. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich durch die markgräfliche Neugründung in Erlangen eine nahe Konkurrenz, die zunehmend an Bedeutung gewann. Trotzdem konnte Altdorf seinen guten Ruf insbesondere in der Orientalistik, der Medizin und den Naturwissenschaften lange Zeit behaupten und hatte in allen Fakultäten namhafte Professoren und Studenten zu verzeichnen.

Die Traditionspflege der ehemaligen reichsstädtischen Hochschule wird heute von der Universität Erlangen (seit 1961: Erlangen-Nürnberg) fortgesetzt. Dorthin wurde am Beginn des 19. Jahrhunderts auch der Großteil der ehemaligen Akten-, Bücher- und Sammlungsbestände überwiesen.