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1 Einträge gefunden (Datenstand: 2020-03-15 17:53:28)

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Name: Rem, Georg
Geburt: 1561-01-04 Augsburg
Tod: 1625-08-15 Nürnberg
Amtszeit: 1624-1625
Status: Prokanzler
Biographica: Georg Rem (auch Rehm, latinisiert Remus), wie der mit ihm befreundete Marquard Freher aus einem Augsburger Patriziergeschlecht stammend, soll um 1575 Schüler des hochangesehenen Gräzisten Hieronymus Wolff (1516-1580) gewesen sein. Sein Studium führte ihn über Straßburg und Tübingen (1579) nach Basel, wo er Anfang 1588 zum Doktor beider Rechte promoviert wurde; Mitte desselben Jahres schrieb er sich noch in die Matrikel der Universität zu Heidelberg, Zentrum des internationalen und politisch und kulturell führenden Calvinismus, ein. Während längerer ‚Kavalierstouren’ durch Deutschland, Frankreich und Italien seit etwa 1590 bis um 1600 entstand ein dichtes, in persönlichem Kontakt so gut wie dauerhafter Korrespondenz begründetes Beziehungsgeflecht, in dem Rem zu einem wichtigen Bindeglied zwischen den Reformierten der böhmischen Länder und im Osten des Reiches und denen in den westlichen Ländern, namentlich der Kurpfalz und der Schweiz, avancierte. Dabei liest sich die Namensliste der kontaktierten Gelehrten wie der „Gotha” des europäischen Geistesadels der „Respublica litteraria” seiner Zeit. Der konfessionspolitischen Vermittlungsfunktion des kryptocalvinistischen Rem kam im übrigen die geographische Mittellage Nürnbergs, künftiges Zentrum seines gesellschaftlichen Wirkens, sehr entgegen.
Seit etwa 1600 war der vom Nürnberger Stadtrat als Jurisconsultus berufene, außerordentlich belesene und vielseitig gebildete Gelehrte in die verschiedensten Funktionen der Reichsstadt eingebunden – etwa als Ehe- und Stadtgerichtskonsulent oder als Konsulent am Nürnberger Appellationsgericht.1623, zur Zeit der Einführung der Doktor-Privilegien und der Aufwertung zur eigentlichen Universität, vertrat er in Altdorf den Prokanzler Philipp Camerarius (1537-1624). Nach dessen Tod wurde Rem 1624 dann selbst Prokanzler – ein Amt, das wahrzunehmen ihm nur noch ein gutes Jahr vergönnt war.
Rems wissenschaftliches Werk steht gegenüber seinem öffentlichen Wirken zurück. Hervorzuheben sind vor allem die paraphrasierende Kommentierung der „peinlichen Halsgerichtsordnung” Karls V, der „Nemesis Carolina”, und das mit Peter Isselburg herausgegebene Buch der „Emblemata politica” (1617, 1640) sowie die noch nicht erschlossene Gelegenheitsdichtung, die seine Vernetzung in der „Gelehrtenrepublik” der Zeit belegen könnte. Die zeitgenössische Beurteilung ihrer literarischen Qualität zeigt sich etwa darin, dass Janus Gruter, der letzte große Bibliothekar der Palatina, Teile in seine berühmte Sammlung der „Delitiae poetarum Germanorum” aufnahm und für deren ersten Band Rem als Widmungsempfänger auszeichnete.
(Theodor Verweyen / Alexander Weber)
Literatur: Sigmund Jacob Apin: Vitae Et Effigies Procancellariorum Academiae Altorfinae Non Solum De Hac Sed Etiam De Universa Norimbergensium Republica Cuius Consiliarii Primo In Ordine Fuerunt [...]. Nürnberg, Altdorf 1721, S. 6-9.
Georg Andreas Will: Nürnbergisches Gelehrten-Lexicon oder Beschreibung aller Nürnbergischen Gelehrten beyderley Geschlechtes nach Ihrem Leben/ Verdiensten und Schriften [...]. Fortgesetzt von Christian Konrad Nopitsch. 8 Bde. Nürnberg, Altdorf 1755-1758 und 1802-1808, hier Bd. III, 1757, S. 294-299.; ebd. VII, 1806, S. 244 f.
Heinrich Kunstmann: Die Nürnberger Universität Altdorf und Böhmen, Köln/Graz 1963, S.  29-33, S. 87-144.
Emblemata politica in aula magna Curiae Noribergensis depicta. Nürnberg 1617. Faks.-Druck der 2. Aufl. Nürnberg 1640. Hg. v. Wolfgang Harms. Bern, Frankfurt a.M. 1982, S. 10*-14* der „Einleitung”.
Literatur Lexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache. Hg. von Walther Killy. Bd. 9. Gütersloh 1991, S. 389 (Wolfgang Harms).
Neue Deutsche Biographie 21, 2003, S. 409.
Wilhelm Kühlmann / Volker Hartmann / Susann El Kholi (Hgg.): Die deutschen Humanisten. Abtlg. I: Die Kurpfalz, Bd. I/1: Marquard Freher, Turnhout (Belgium) 2005, S. 29 u.ö..
Bd. I/2: Janus Gruter, S. 581 u.ö.
Athena Norica. Bilder und Daten zur Geschichte der Universität Altdorf. Hg. von Werner Wilhelm Schnabel. Nürnberg 2012 (gff digital, Reihe A: Digitalisierte Quellen, 3), B6020.
Porträt: Friedrich Roth-Scholtz (Hg.): Icones Eruditorum Academiae Altdorfinae [...]. Nürnberg, Altdorf 1721/23, Nr. [2]
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